Die Lernpraktiken verändern sich rasch, da künstliche Intelligenz (KI) immer mehr zum Alltag gehört. Diese Technologien prägen die Art und Weise neu, wie Schüler und Studenten Informationen finden, Lernaufgaben bewältigen, kreative Möglichkeiten erkunden, kommunizieren und soziale Beziehungen knüpfen. Als Reaktion darauf haben die OECD und die Europäische Kommission mit Unterstützung von CodeAI (ehemals Code.org) und internationalen Experten im Mai 2025 einen Entwurf für einen Rahmen für KI-Kompetenz veröffentlicht, um die Integration von KI in den Unterricht und das Lernen mit kritischem Urteilsvermögen, ethischem Bewusstsein und einem klaren pädagogischen Ziel zu unterstützen.
Der Rahmenentwurf basiert auf einer umfassenden weltweiten Konsultation, bei der Rückmeldungen von über 2000 Personen aus einem breiten Spektrum von Interessengruppen eingeholt wurden, darunter Lehrkräfte, Führungskräfte im Bildungswesen, politische Entscheidungsträger, Lernentwickler, Nichtregierungsorganisationen und Forscher aus über 100 Ländern aller Kontinente. Ihre Beiträge haben das endgültige Rahmenwerk für KI-Kompetenz in der Primar- und Sekundarstufe geprägt, das am 18. Juni 2026 im Rahmen der Leitveranstaltung des European Digital Education Hub (EDEH) mit dem Titel „Collaborate for Impact: Advancing European Digital Education and Skills“ vorgestellt wurde.
Definition von KI-Kompetenz für den Unterricht
Aufbauend auf bereits etablierten Rahmenwerken für digitale Kompetenz, unter anderem im Bereich der KI, legt das fertiggestellte Rahmenwerk für KI-Kompetenz (AILit) einen bewussten Schwerpunkt auf praktische Anleitung und die Umsetzung im Unterricht. Es strukturiert KI-Kompetenz als Entwicklungsweg über vier Bereiche hinweg, die widerspiegeln, wie Lernende im Alltag mit KI in Berührung kommen. Das Rahmenwerk umfasst vier Bereiche: „Mit KI bewusst umgehen“, „KI kreativ anwenden“, „KI gezielt einsetzen“ und „KI aktiv mitgestalten“ – und deckt damit die Themen Sensibilisierung, kreative Nutzung, verantwortungsvolle Entscheidungsfindung sowie die Frage ab, wie KI-Systeme durch menschliche Werte geprägt werden. Über alle Bereiche hinweg integrieren die Kompetenzen relevantes Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen.
Jede Kompetenz wird nun durch Lernziele untermauert, die den Lernfortschritt in der Primar- und Sekundarstufe auf den Stufen „Grundkenntnisse“, „Mittelstufe“ und „Fortgeschrittene“ beschreiben. Integrierte Lernszenarien übertragen die Kompetenzen in die Unterrichtspraxis über Fächer und Kontexte hinweg, einschließlich Offline- oder Low-Tech-Aktivitäten, bei denen KI-Konzepte vermittelt werden, ohne dass ein direkter Zugang zu KI-Tools erforderlich ist.
Anhand von Beispielaktivitäten wird veranschaulicht, wie das Rahmenwerk in die Praxis umgesetzt werden kann, und es wird gezeigt, wie Kompetenzen mithilfe strukturierter Aktivitäten und durch das Vorleben von Schlüsselkompetenzen fächerübergreifend angewendet werden können.
Diese Aktualisierungen entsprechen dem Feedback der Interessengruppen, wonach es notwendig sei, den Lehrkräften eine flexible, unterrichtsfertige Ressource zur Verfügung zu stellen, anstatt ein zusätzliches Fach einzuführen.
Förderung von Selbstbestimmung, Urteilsvermögen undWohlbefinden
Die Teilnehmer der Konsultation betonten zudem, dass KI-Kompetenz neben dem technischen Verständnis auch das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung der Lernenden fördern muss. Als Reaktion darauf legt das überarbeitete Rahmenwerk größeren Wert auf Metakognition, Reflexion und Selbstregulierung. Damit wird verstärkt darauf geachtet, die Lernenden dabei zu unterstützen, kritisch darüber nachzudenken, wie KI ihr Lernen, ihre Entscheidungen und ihre Beziehungen beeinflusst, und gesunde Grenzen für deren Nutzung zu setzen.
In allen Bereichen wird deutlich, dass KI-Systeme keine Menschen sind und menschliches Urteilsvermögen, menschliche Fürsorge oder zwischenmenschliche Beziehungen nicht ersetzen können. Die Lernenden entwickeln die Fähigkeit, nicht nur zu entscheiden, wie sie KI einsetzen, sondern auch, wann sie darauf verzichten sollten, und erkennen dabei, dass eine Ablehnung oder Einschränkung eine verantwortungsbewusste und fundierte Entscheidung sein kann.
Wie bereits im Rahmenentwurf sind ethische Überlegungen weiterhin in allen Bereichen und Kompetenzen verankert und werden nicht als eigenständiges Thema behandelt. Die Lernenden setzen sich in authentischen Lernkontexten mit Fragen der Fairness, Voreingenommenheit, Transparenz, Privatsphäre, Rechenschaftspflicht und Umweltauswirkungen auseinander, was der Tatsache Rechnung trägt, dass ethisches Urteilsvermögen untrennbar mit dem Lernen mit und über KI verbunden ist.
Gemeinsam sorgt diese Fokussierung auf Handlungsfähigkeit, Urteilsvermögen und Wohlbefinden dafür, dass KI-Kompetenz eine verantwortungsbewusste und reflektierte Teilhabe an einer von KI geprägten Welt fördert.
Nehmen Sie an unseren Webinaren teil
Im Anschluss an die Veröffentlichung werden zwei zielgruppenspezifische Webinare den Interessengruppen dabei helfen, zu erkunden, wie das Rahmenwerk in der Praxis genutzt werden kann. An den Webinaren nehmen Mitglieder der Expertengruppe für KI-Kompetenz teil, die Einblicke aus ihrer eigenen Arbeit und Erfahrung vermitteln, darunter auch Erkenntnisse, die zur Gestaltung des AILit-Rahmenwerks beigetragen haben.
Das erste Webinar befasst sich mit praktischen Ansätzen für den Einsatz des Rahmenwerks im Bildungsbereich. Das zweite Webinar konzentriert sich auf systemische Perspektiven und Prioritäten für die KI-Kompetenz in der Bildung. Beide Webinare umfassen eine kurze Vorstellung des Rahmenwerks, kurze Vorträge der Referenten sowie Podiumsdiskussionen.
Die Teilnehmer können sich je nach ihrer Rolle, ihren Interessen und ihrer Verfügbarkeit für eines oder beide Webinare anmelden. Weitere Informationen, einschließlich der Anmeldung, finden Sie hier: https://ailiteracyframework.org/webinars/.